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Die historische Orgel in der Ev.-Luth. Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Aufkirchen
Hendrik Ahrend, Christoph Reinhold Morath, Egert Pöhlmann

In der Kirche St. Johannis der Täufer der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Aufkirchen/Gerolfingen steht eine Orgel, deren Fassade ein Instrument an der Wende von der Renaissance zum frühen Barock erwarten lässt. Hinter der prächtigen Front steht aber ein Instrument im Geschmack der Zeit von 1968, in dem allerdings beachtliche Teile einer Orgel von 1663 aus der Dominikanerkirche St. Peter in Eichstätt überlebt haben. Die Versuche, diese wieder zurückzugewinnen, begannen schon 2004 mit der Gründung eines Orgelbauvereins, der bis heute für dieses Orgelprojekt erhebliche Mittel zusammengebracht hat. 2016 hat sich die Kirchengemeinde für ein Angebot von OB Hendrik Ahrend entschieden, dessen Finanzierung und Genehmigung noch offen ist.
Die Aufkirchener Orgel hat eine lange Geschichte. 1597 erhielt die Eichstätter Peterskirche von dem namhaften Nürnberger Stadt- orgelmacher Peter Grünewald eine Lettnerorgel. Diese wurde nach Beseitigung des Lettners auf eine 1660 neuerrichtete Westempore übertragen und 1663 in ein von Fürstbischof Marquard II Schenk von Castell gestiftetes Gehäuse eingebaut und erweitert. 1808 wurde das Dominikanerkloster säkularisiert. Die Orgel der Peterskirche wurde 1816 nach Aufkirchen verkauft und in der Johanniskirche auf der unteren Westempore aufgestellt. Dazu stiftete Casper Beck (Hamburg) aus Aufkirchen 475 Gulden. Wegen der zu geringen Deckenhöhe wurde in die Flachdecke eine Auswölbung eingebaut und der Mittelturm der Orgel ver
kürzt. Die Orgel hatte 16 Register, Haupt- und Oberwerk und die sog. Kurze Oktave (C D E F G A B H c).
1832 wurde die Orgel auf 18 Register erweitert. 1840 erhielt der Schreiner Beyrer (Öttingen) den Auftrag zu einem Umbau, bei dem u.a. die Kurze Oktave beseitigt wurde und die Orgel statt des Spielschranks einen freistehenden Spieltisch mit Blick in die Kirche erhielt. Beyrer war dieser Aufgabe nicht gewachsen. Deshalb führte OB Schultes (Ellwangen) den Umbau zu Ende, an dem sich auch Georg Friedrich Steinmeyer (Oettingen), seinerzeit Geselle von Beyrer, beteiligte.
Nach kleineren Eingriffen erfolgten 1938 und 1968 zwei größere Umbauten der Orgel durch die Firma Steinmeyer (Oettingen), die beide durch den staatlichen und gleichzeitig kirchlichen Orgel-sachverständigen Pfarrer Johannes G. Mehl geleitet wurden. 1965 hatte man mit einer Kirchenrenovierung begonnen, die eine Neuaufstellung der Orgel nach sich zog. Dabei wurde die Einwölbung der Flachdecke beseitigt. Die alte Orgelempore im Westen und die Nordempore wurden entfernt. Die Orgel wurde nun ebenerdig auf einem zweistufigen Podium neu aufgebaut. Sie erhielt einen freistehenden Spieltisch mit Blick
in die Orgel. Das Gehäuse der Orgel wurde durch ein Metallständerwerk ersetzt, an dem die erhaltene Prachtfassade und die Außenwände aufgehängt wurden. Die größten Verluste an historischer Substanz hat dieser letzte Umbau mit sich gebracht.
Der Zustand der Orgel von 1663 und damit ihr künstlerisches Konzept ist besonders wertvoll und am zuverlässigsten belegt. Daher ist es Ziel des Angebots vom OB Ahrend, die beschriebenen Eingriffe rückgängig zu machen und ein selbsttragendes Gehäuse zu rekonstruieren, das an dem Standort von heute wieder aufgebaut wird. Dessen Vorderseite bildet die erhaltene Prachtfassade, deren Mittelturm auf die Höhe von 1663 zurückgeführt wird. In dessen höchsten Abschnitt wird die erhal-tene historische Oberwerkswindlade wieder eingebaut. Die Orgel erhält wieder einen Spielschrank. Da etwa 60 % der originalen Pfeifen noch vorhanden sind, ist eine Annäherung an den Orgelklang von 1663 möglich. Viele Orgeln aus dieser Klangwelt sind den Bombardements am Ende des 2. Weltkriegs zum Opfer gefallen. In Bayern wird die rekonstruierte Orgel von 1663 in Aufkirchen der einzige Zeuge für den Orgelklang an der Wende von der Renaissance zum Frühbarock sein.