Konfirmation

Es ist Elternabend, Konfirmanden und Konfirmandinnen und Ihre
Eltern haben gerade die Anmeldung zum Konfirmandenunterricht ausgefüllt und unterschrieben. „In 1 ½ Jahren ist dann Eure Konfirmation“, sage ich und will mit einem Abendgebet und Vaterunser abschließen, da fragt Tino – er ist mit seiner Mutter erst vor ein paar Jahren aus der ehemaligen DDR in unsere Gemeinde gezogen: „Und wann gibt’s die Geschenke?“

In den vergangenen Wochen sind deutschlandweit etwa 250.000 evangelische Mädchen und Jungen konfirmiert worden. Nach ein oder knapp zwei Jahren Konfirmandenzeit bekennen sich die Jugendlichen öffentlich zum christlichen Glauben und werden für ihren Lebensweg gesegnet. „Bringt das denn überhaupt etwas?“, wird oft gefragt. „Den Jugendlichen geht es doch nur ums Geld, die meisten kommen danach nie mehr in die Kirche.“ Ich kann verstehen, dass viele Erwachsene das vermuten – sie beobachten das bei vielen Jugendlichen. Und doch ist das nur die eine Seite der Wahrheit.
Die andere Seite: Nach wie vor melden sich Jahr für Jahr fast 90 % der getauften Jugendlichen zum Konfirmandenunterricht an – zumeist freiwillig. Natürlich sind Geld und Geschenke, wie bei Tino, am Ende der Konfirmandenzeit ein Anreiz, aber es geht um mehr: Es geht den Jugendlichen auch um die wichtigen Fragen des Lebens, um Gemeinschaft und um ein faires Miteinander. Es geht darum, dass die jungen Leute ihre Kirche als offene und freundliche Kirche kennenlernen und ihren Pfarrer und die Pfarrerin als Partner, die immer für sie da sind. Da wird in der Konfirmandenzeit gelacht, viel diskutiert und manchmal über Schweres miteinander sehr ernst geredet. Immer wieder geht es um die Fragen: Wo ist Gott in unserem Leben? Warum gibt es so viel Leid und Unrecht in der Welt? Wie kann ein Gott das zulassen? Was können wir tun, damit diese Welt ein besserer Ort wird? Denn darum geht es: Zu erfahren und zu erleben, dass wir – als Gottes geliebte Kinder – die Möglichkeit haben, unser Leben voller Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein zu gestalten! Und das hört mit der Konfirmation nicht auf. Danach ist vielleicht das frühe Aufstehen am Sonntagmorgen vorbei, aber nicht das Fragen und Suchen nach dem Sinn des Lebens und nach dem richtigen Weg. In den Kirchengemeinden halten wir die Türen offen und stehen weiter als Gesprächspartner zur Verfügung! Und spätestens zum Konfirmationsjubiläum trifft man sich wieder! Da geht es dann darum, die Verbindung zum Glauben wieder zu beleben oder zu stärken. Nicht zuletzt, weil das Leben einem in der Regel noch nicht mit vierzehn Jahren, aber vielleicht mit vierzig oder 64 Jahren gezeigt hat,

dass es nicht immer leicht ist. Und dass es gut ist, sich in den Höhen und Tiefen des Lebens nicht allein zu fühlen, sondern darauf zu vertrauen: Ich kann mich auf Gottes Segen verlassen und finde Orientierung durch meinen Glauben. Im Konfirmandenunterricht wird nicht geerntet, sondern gesät und es braucht seine Zeit, bis der Glaube Wurzeln bilden und dann später Früchte bringen kann.
Ich bin da ganz zuversichtlich und hoffnungsvoll – es ist Gottes Segen, der unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden stärken wird. Und dieser Segen bleibt!

Unsere Aufgabe als erwachsene Christinnen und Christen ist es, unseren Jugendlichen den Freiraum zu geben, den sie brauchen. Ihnen immer wieder zu zeigen, dass sie einen Platz, ihren Platz, und Mitspracherecht in der Kirchengemeinde haben, wie heuer bei der Wahl zum Kirchenvorstand, auch wenn sie nicht jeden Sonntag in die Kirche gehen. Unsere Aufgabe ist, für die Jugendlichen zu beten und zu vertrauen: Wenn Gott seinen Weg in unsere Herzen gefunden hat, warum sollte er das bei den jungen Leuten nicht auch schaffen?

Und Tino? Tino sagte mir wenige Tage vor seiner Konfirmation: „Ich glaube an Gott!“